Bericht über Podiumsdiskussion zum Tag der Menschenrechte

Am 10. Dezember 2019, dem Tag der Menschenrechte, luden die Berliner und Potsdamer Soroptimistinnen auf Anregung des Clubs Berlin Mitte ein zu einer Podiumsdiskussion zum Thema Prostitution.

Als Expertinnen und Experten kamen in die Hörsaal-Ruine der Charité:

Leni Breymaier, Vorstandsmitglied des Vereins ‚Sisters – für den Ausstieg aus der Prostitution! e.V.

Dr. Katarzyna Zentner, Autorin von ‚Mensch im Dunkel: Eine qualitative Fallstudie zu osteuropäischen Opfern von Frauenhandel - Ein Beitrag zur Psychotraumatologie‘

Manfred Paulus, Erster Kriminalhauptkommissar a.D. und Lehrbeauftragter an der Hochschule für Polizei Baden-Württemberg

Die Diskussion wurde eröffnet mit einem Video-Clip von Terre des Femmes, der einen emotionalen Zugang zur Situation von Prostituierten versuchte. Leni Breymaier gelang es anschließend, das Publikum zu sensibilisieren für die Tatsache, dass der Anteil der Frauen, die zur Prostitution gezwungen werden in den vergangenen Jahren dramatisch gestiegen ist: von geschätzten 50 % auf mittlerweile bis zu 90%.

Dr. Katarzyna Zentner schilderte ihre Erfahrungen mit osteuropäischen Zwangsprostituierten, die in einem Teufelskreislauf aus Vergewaltigung, Scham darüber, daraus resultierenden Abhängigkeiten und ganz schlichten Sprachproblemen einen Ausstieg aus der Prostitution nicht aus sich selbst heraus bewältigen können.

Manfred Paulus vermittelte eindrücklich die ausweglose Situation der Frauen, die unter Vorspiegelung falscher Voraussetzungen nach Deutschland gekommen sind, und hier wie im Herkunftsland falschen Versprechungen folgend in die Prostitution geraten, und warum es für die Menschenhändler so einfach ist, mit diesen Frauen Geld zu verdienen: die Bereitschaft das Heimatland zu verlassen aufgrund der desolaten wirtschaftlichen Lage ist groß – die Mädchen und Frauen folgen den Versprechungen also bereitwillig, im Vergleich dazu ist der Handel mit Drogen sehr viel riskanter; die Strafen, die auf Menschenhandel ausgesetzt sind, können nur schwer durch die schwerfällige Bürokratie gebracht werden – so sind im Vergleich zu anderen europäischen Staaten die Ahndungen von solchem Menschenhandel in Deutschland sehr gering und die angesetzten Strafverfahren in den meisten Fällen aussichtslos.

Das Grundmuster dieser Verhältnisse ist ein Schema der Geringschätzung von Frauen als ‚Objekt der Begierde‘ von Männern. Erst diese Haltung ermöglicht es, Frauen aber auch Kinder als‘ Sex-Objekte‘ zu degradieren und zu missbrauchen.

Auf dem Podium und mit dem Publikum wurde das so genannte ‚Schwedische Modell‘ diskutiert, welches Prostitution unter Strafe stellt und die ‚Freier‘ und nicht die Prostituierten unter Strafe stellt, und mit dem deutschen ‚Prostitutionsschutzgesetz‘ verglichen.

Schlussendlich waren sich alle einig, dass unter den heutigen Zuständen der überwiegenden Zwangsprostitution die gesetzlichen Regelungen zu kurz greifen und ein Umdenken in der Gesellschaft stattfinden muss hinsichtlich der aktuellen Situation der betroffenen Frauen und Kinder zu mehr Schutz und stärkerer Verfolgung der Menschen, die diese Lage rücksichtslos ausbeuten und den rechtsfreien Raum nutzen, um den eigenen Profit zu steigern.

Alle teilnehmenden Frauen und Männer der Veranstaltung waren sichtlich erschüttert über diesen vertieften Einblick in die aktuelle Lage des Handels mit Menschen, der in Berlin und anderswo fast ungestört von der öffentlichen Aufmerksamkeit vonstattengehen kann und die Opfer traumatisiert und hilflos zurücklässt.

Die Spenden des Abends in Höhe von mehr als 600 € gingen an den Verein ‚Sisters – für den Ausstieg aus der Prostitution‘ und für viele war es ein berührendes und augenöffnendes Erlebnis, das teilweise gänzliche neue Perspektiven auf das Thema eröffnete.



Zugeordnete Dateien
SI_Bericht_10_12_2019.pdf  639 KB

Top